Für die Präsentation von “Mille Miglia – The Spirit of a Legend” hätten sich die beiden Wiesbadener Filmemacher kaum einen besseren Ort als Schloss Johannisberg aussuchen können. Schließlich war Paul Alfons Fürst von Metternich, der das zerstörte Schloss nach dem Krieg wieder aufbaute, rennsportbegeistert und selbst dreifacher Mille Miglia-Teilnehmer.

Vor stimmungsvoller Kulisse luden Regisseur Philip Selkirk (“Castro”)und Produzent Stephan Heimann zur Deutschlandpremiere der ersten abendfüllenden Dokumentation über die Mille Miglia (MM). In Italien wurde diese welturaufgeführt: am 15.05. zum 80. Geburtstag des legendärsten Autorennen der Welt, in Brescia, dem Ausgangsort der MM und unmittelbar vor dem Start des diesjährigen Jubiläumsrennens.

Ein 30-köpfiges Team, 130 Stunden Filmmaterial und 10.000 Fotos – die Fakten dokumentieren den Aufwand der Unternehmung, die Selkirk in Johannisberg als “gewaltiges Projekt” bezeichnete, vor dem seinerzeit sogar Filmregisseur Roberto Rossellini zurückschreckte. Die Idee sei in einem Rambacher Restaurant geboren worden, und eigentlich habe man “schon 2005 Gas geben” wollen, so Heimann. Stattdessen fuhr man erst mal mit – und ließ sich anstecken…

Die Begeisterung merkt man dem Film an. Zwar fehlt ihm zur Dokumentation die Distanz zu seinem Sujet – aber das hat auch Sönke Wortmanns “Sommermärchen” nicht geschadet. Interviews mit ehemaligen und aktuellen Teilnehmern wie Jochen Maas, Prinz Leopold von Bayern, Sir Stirling Moss und Graf Giannino Marzotto zeigen, dass das ehemalige Autorennen heute vor allem eines ist: eine Hommage an die alten Helden.

Zu Zeiten der alten MM (1927-1957) jagten diese noch mit 300 Sachen und ohne Pause durch Norditalien, was die eingeflochtenen historischen Aufnahmen anschaulich machen. Nach einem Unfalll mit mehreren Toten wurde das Rennen 1957 indes auf Eis gelegt und erst 1977 wieder reaktiviert. Seitdem ist die Mille Miglia mehr Rallye als Rennen, zieht aber nach wie vor Prominenz aus Showbiz, Adel und europäischen Königshäusern an.

Was macht den Reiz dieser Sportlegende aus? Darauf geben die Protagonisten des Films, durch den in der deutschen Version die sonore Stimme des TV-Stars Friedrich von Thun führt, unterschiedliche Antworten: die Faszination für die italienische Landschaft und Kultur, die sportliche Herausforderung, die Beisterung für die Technik – oder schlicht der Kampf gegen sich selbst, wie Veteran Marzotto im Brustton der Überzeugung sagt. (sk)

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