Kultur - Musik • Donnerstag, 29. Oktober 2009, 10:49 Uhr
Musik: Good Job, Sir Elton John!
Über 10.000 Besucher und etliche Zaungäste lauschen dem "Rocket Man"
Es war schwer durchzukommen. Etliche Zuschauer drängten auf das Bowling Green, um ihre Majestät, Sir Elton John, zu sehen. Doch auch wer keine Tickets mehr bekommen hatte, konnte dem Weltstar von der Rue aus lauschen – in Gesellschaft von hundert anderen Schaulustigen, die auf Decken, Campingstühlen oder im Stehen das Konzert verfolgten. Elton John, ein begnadeter Songschreiber und Pianist, verzauberte ein eher lahmes Wiesbadener Publikum, das sich mit Tanzen und Jubeln schwer tat.
Ein Konzert mit Elton John ist immer wie eine Reise durch die Zeit, denn in seinem Konzert-Programm präsentierte er einen ausgesuchten Querschnitt aus seiner mittlerweile über 40-jährigen Karriere voller Hits. Mit verschmitzter Lausbub-Miene und knielangem Glitzerfrack betrat der Sir um halb Neun die Bühne. Schon bei seinem ersten Song zeigte sich, wo die wirklichen Fans sitzen und wo diejenigen verweilen, denen das Sehen-und-Gesehen-Spiel wichtiger ist. Ein Sitz-Konzert – bis auf die lobend zu erwähnende Tribüne, die gerockt hat.
Einige wenige stehen bei den Hits des Weltstars, man schämt sich beinahe fremd für das Publikum. “Daniel”, “I want love”, “Crocodile Rock” oder auch “Candle in the wind” – ab und zu traut sich doch einer zu tanzen. Wie Jerry Lee Lewis und Richard Clayderman führt John durchs Programm. Das Potpourri an Evergreens und Greatest Hits scheint unerschöpflich.
Der Sir selbst zieht seine Show routiniert durch, bedankt sich allerdings überschwänglich bei denen, die im Stehen feiern. Eben ein Mann des Volkes. Eben dieses Volk kommt bei den letzten paar Lieder dann doch noch in Schwung. Bei den Eröffnungszeilen von Crocodile Rock “I remember when Rock was young” erinnerten sich die Zuschauer an ihre Jugend und stürmten dann doch noch nach vorne – besser spät als nie – und einige Lieder später ist “I’m still standing” im wahrsten Sinne des Wortes Motto.
Sir John peitscht das Publikum von Lied zu Lied. “Candle in the wind” sang er für Marilyn Monroe, nicht für Michael Jackson, wie viele erwartet hatten. Dafür interpretierte er “Don’t Let The Sun Go Down” für ihn – jenen Song, den er an Jacksons Todestag an alljährlichen Wohltätigkeitsfeier zu Gunsten seiner Aids-Stiftung spielte.
Ob nun dieser Song oder “Sorry seems to be the hardest Word” oder auch “Your Song” – fürs Gefühl hatte der Sir immer schon ein Händchen. Gerockt wurde trotzdem – wenn auch etwas spät. Elton John gab zweieinhalb Stunden Power inklusive einer Zugabe. Nach dem Konzert wurde er von einer Limousine hinter der Bühne weggefahren – inklusive seiner geschätzten 300 Brillen, die in seiner Garderobe lagen. Doch die Party auf der Rue ging weiter…
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